- Alle Einträge: B-Wurf
Willkommen November! Während gemeinhin nun die farbenprächtig, sonnengoldenden Assoziationen durch nebliggraue ersetzt werden, wird er ganz viel frischen Wind in unsere Wurfkiste bringen und so einiges durcheinanderwirbeln. Zunächst aber ein Rückblick auf die dritte Lebenswoche der Speckmaden, die unter dem Motto Geräuschgewöhnung stand.
Die Ohren sind so langsam bei allen geöffnet und ich bin bei einigen bereits guter Dinge. Besonders Herr Rot lässt mich aber noch ordentlich zappeln und zeigt meist keine klare Reaktion (mein aktueller Tipp: links klappt, rechts wohl eher nicht). Ob sie und wenn ja ein- oder beidseitig hören, wird letztendlich die AEP zeigen. Den Termin bei Herrn Dr. Kröger habe ich für den ersten Adventssonntag bekommen. Bis dahin heißt es weiter Hoffen und regelmäßig prüfen (ich mag einfach keine Überraschungen). Er wird die Speckies im gleichen Zuge impfen, chippen und somit auch den Heimtierausweis ausstellen. Die offizielle LUA-Auswertung wird folgen, die Wurfabnahme durch einen Zuchtwart und der finale Tierarztcheck vor dem Auszug. Es galt für mich also dieser Tage viele Termine abzustimmen.
Die Speckmaden sind an unsere Alltagsgeräusche gewöhnt, menschliche Stimmen, Haushalt, Türklingel, Radio, Fernseher, Geschirrklappern, Regengeplätscher, Glöckchen, Händeklatschen, vorbeifahrende Autos, Passanten und Vogelgezwitscher, all das haben sie bereits ganz unaufgeregt kennengelernt, sogar die Feuerwehr ist mit lauter Sirene schon durch die Straße geprescht, das Müllauto kam rumpelnd vorbei, nur einen ausdauernd hupenden Hochzeitskorso hatten wir noch nicht. Dafür legt sich unser Sohn aber einfallsreich ins Zeug, die Speckies mit Kinderlärm vertraut zu machen. Die Zwerge nehmen alles mit einer traumhaften Selbstverständlichkeit hin und das im wörtlichen Sinne. Sie sind so völlig unbeeindruckt.
Besonders die ersten drei Lebenswochen sind in der Entwicklung der Welpen wichtig. In freier Wildbahn halten sie sich bis etwa zu diesem Zeitpunkt in der Wurfhöhle oder der unmittelbaren Umgebung auf, anschließend entdecken sie nach und nach die Welt. Die Welpen befanden sich bisher – wohlumsorgt von der Mama – im Dauerentspannungszustand, waren keinem großen Stress ausgesetzt und konnten sich voll auf das Wachstum konzentrieren. Alles, was sie erlebten und ich ihnen versucht habe bewusst zu präsentieren, speichern sie als selbstverständlich ab, ist weder schlecht noch gefährlich, sondern einfach das Leben.
Die dritte Lebenswoche der Welpen war eine schnelle Übergangsphase und damit in ihrer physischen und sensorischen Entwicklung enorm wichtig. Der rasant verlaufende Reifeprozess vom Saug- und Schlafstadium zum aktiven Entdecken der engeren Umwelt, die erste soziale Kontaktaufnahme zu den Geschwistern und damit die ersten Spielaktivitäten untereinander mit gegenseitigem Belecken und Anknabbern (quasi in der Reihenfolge des Augenöffnens zuerst Herr Orange, Blau, Rot, Grün, Gelb und schließlich Braun), die erste optische und (hoffentlich) akustische Wahrnehmung, das Durchstoßen der ersten Milchzähne, das selbständige Harn- und Kotabsetzen, das erste super, super, super süße Schwanzwedeln. All diese vielen ersten Male zeichneten diese sehr ereignisreiche Woche aus und schenkte den Speckies ein Stück Unabhängigkeit von Dixi, ihr wiederum mehr Freiheit von den Kleinen und meinem Herzen unzählige zuckersüße Momente.
Die Welpen beginnen nun, ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen und ihre Interaktion geht immer mehr über das Kontaktliegen und die Knäuelbildung hinaus, was für die Entwicklung der Sozialkompetenzen von größter Bedeutung ist. Auch zum Menschen suchen sie neugierig Anschluss (besonders Herr Gelb), erkennen Gesichter und speichern sie im Gedächtnis ab. Mich werden sie hoffentlich ihr ganzes Leben lang fröhlich wiedererkennen und immer wieder mit heller Freude begrüßen, wann immer wir uns sehen.
Nach wie vor beklagen sich die meisten Jungs wirklich über nichts, lediglich in kurzen Momenten mutieren Herr Rot und gelegentlich Herr Braun zu Mini-Meckerziegen, wobei beide mitunter einen anderen Rhythmus als ihre Brüder pflegen, wach sind, wenn alle anderen schlummern, dafür dann die Spielphase verpennen, was beides als doof empfunden wird.
Kuscheln mit mir tun sie alle unglaublich gerne. Und auch beim Lösen werden sie immer treffsicherer. Nur ganz wenige Ausnahmen landen noch nicht in der Zielzone, kleine Streber! Das erleichtert natürlich die Lagerpflege wieder deutlich.
Hier noch die dieswöchentlichen Fun-Facts zu den einzelnen Jungs, obwohl mir eine differenzierte Charakterbeschreibung immer schwerer fällt, weil die Buben ein so homogener Haufen sind:
Herr Blau
Ein rundum entspannter, aufgeschlossener und fröhlicher Geselle. Als Zweiter entdeckte er die soziale Kontaktaufnahme in der Wurfbox und mittlerweile umfasst sein Repertoire alles von zaghaftem Knibbeln bis beherztem Raufen, was ihn bei allen zu einem bereitwilligen und gern gesehen Spielgefährten macht. Ich weiß nicht, was genau er träumt, aber es beinhaltet auf jeden Fall sehr viel Rennen. Als neugieriger, mutiger und cleverer Ausbruchskünstler der Truppe hat er als Erster festgestellt, dass der Einschub der Wurfbox erklimmbar wäre, besonders wenn ein anderer ihm als Räuberleiter fungiert, und auch der Rand des Wäschekorbs scheint nicht mehr unüberwindbar.
Herr Grün
Konstant das Schwergewicht der Truppe und mit der Neigung gerne irgendwo drauf (ein) zu schlafen, kommen von ihm nie Klagen, stattdessen hochdramatisches Gähnen. Auch sonst sticht er nicht heraus, wenngleich er zu den Aktiveren gehört. Als Dritter begann er mit dem Spielen und nutzt seither jede Möglichkeit, sich darin zu probieren, egal ob der obere oder untere Part, der Initiator oder der, der das Knabbern erwidert. In fremder Umgebung zeigt er sich interessiert, selbstbewusst und unerschrocken. Ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe, allerdings ist seine Nase hervorragend auf Muttis Zitzen geeicht und dazu schlägt er der Meute gelegentlich auch Alarm.
Herr Braun
Unser Plattenprinz öffnete als Letzter die Augen und begann somit auch etwas später mit der sozialen Interaktion mit den Wurfgeschwistern. Dafür schenkte er mir als Erster eine Begrüßung mit freudigem Schwanzwedeln! Mit fremder Umgebung konfrontiert, geht er kühn, unerschrocken und interessiert auf Streifzug, findet alles spannend und ist in seinem Entdeckerdrang auf den immer besser funktionierenden Beinchen kaum zu bremsen, gibt allerdings regelmäßig Rückmeldung, wo er sich gerade befindet. Dafür gehört er in der Wurfbox eher zu den Verträumteren und verschläft manchmal den Anschluss. Aber wenn er einen Grund hat, dann ist er auch hier derjenige, der Herrn Rot stimmlich am ehesten tatkräftige Unterstützung zukommen lässt.
Herr Orange
Als Erster von allen betrachtete er seine Geschwister nicht mehr nur als bequeme Liegefläche, sondern auch als Spielekumpel und geht dabei herrlich frech zu Werke, knabberte schon einen Tag vor den anderen an ihren Pfoten herum. Aufgeschlossen, verspielt und neugierig, aber genauso entspannt und seelenruhig. Er klagt nie, auch Neuerungen nimmt er ohne Scheu hin, geht mutig voran auf Entdeckungstour, orientiert sich aber auch immer wieder an vertrauten Gerüchen und hat ein keckes Selbstvertrauen, wodurch er immer zu einer charmanten Rauferei bereit ist. Höchstwahrscheinlich ist er der einzige unter den Brüdern, für den es mit dem LUA-Gen nicht gereicht hat. Dafür erinnert er mich optisch extrem an Oma Alva und schaut mir damit natürlich mitten ins Herz.
Herr Gelb
Der auffallend unauffällige Gentleman. Nach wie vor immer mit dabei, aber nie wirklich mittendrin, aktiv, aber wahnsinnig bequem und gemütlich, genauso entspannt, wie er es auch mit seiner Tüpfelung angehen lässt. Im besten Sinne der besonnene Langweiler, der gerne mit dem Schaf oder Geschwistern kuschelt, aber noch viel lieber und weitaus mehr als alle anderen meine direkte Nähe sucht, um zu schmusen. Im Spiel mit den Wurfgeschwistern hält er sich noch etwas zurück, steigt nicht auf jede Aufforderung ein und schaut dem Treiben oft erstmal aufmerksam zu, bis er dann durchstartet, nie rüpelig wird, sondern immer höflich bleibt. Auch in fremder Umgebung sitzt er die Situation zunächst kurz und beobachtend aus, bevor er sich an die Erkundung macht.
Herr Rot
Unser Star-Tenor steht mehr als alle anderen im Rampenlicht und hat durchaus eine kommunikative Ader. Er weiß, was er will, und versteht es, auf sich aufmerksam zu machen. Mit seiner Hörfähigkeit bin ich wiederum noch am meisten am Hadern und das witzigerweise, obwohl er die dunkelsten Öhrchen bekommt. Aus der Wurfbox herausgesetzt springen bei ihm sofort der neugierige Schnüffelmotor und der fröhliche Schwanzwedeldetektor an, der Mutigste ist er allerdings in ungewohnter Umgebung nicht. In der Kiste dagegen zeigt er sich selbstbewusst und gehört klar zu den Raufern (ohne Ton geht’s auch hierbei natürlich nicht), wenn er nicht gerade wieder alles verschläft, weil ihm sein ganz eigener Kopf einen anderen Rhythmus diktiert hat.

































