32. Lebenstag

In einem Monat werden die Ersten schon ausgezogen sein. Sie werden so schnell groß, entwickeln sich so rasch, sind schon so mobil und formen sich körperlich und charakterlich immer mehr aus. Das wird mir heute ganz besonders bewusst. Sind sie doch vorgestern erst geschlüpft. Es ist wirklich ein seltsamer Gedanke. Welpen aufzuziehen bedeutet, dass man praktisch jeden Tag darauf hinarbeitet, sie fit für das Leben zu machen, sie vorzubereiten auf all das, was kommen wird, um sie guten Gewissens in ihre neuen Familien übergeben zu können. Und trotzdem oder gerade deswegen stimmt eben dieser Gedanke mich sehr wehmütig, habe ich doch jeden im einzelnen von ihnen bis an mein Lebensende in mein Herz geschlossen und ihnen schon vor ihrer Geburt das Versprechen gegeben, immer für sie da zu sein und stets zu ihrem Wohl zu entscheiden.
Noch liegen spannende und intensive gemeinsame Wochen vor uns. Trotzdem ist es höchste Zeit, weitere Bestellungen für die umfangreichen Starterpakete zu tätigen, um den zukünftigen Welpeneltern das aufregende Leben mit ihrem neuen Familienmitglied dann so leicht wie möglich zu machen.

Nach wie vor überwiegt der Parasympathikus (Entspannung) und so setze ich auch prophylaktisch auf die Gewöhnung an potenzielle “Schreckereignisse”. Hier wird ein Regenschirm aufgespannt, dort eine Decke ausgeschüttelt, zu dieser Jahreszeit fliegt sowieso immer irgendetwas im Wind, da scheppert etwas auf den Boden und plötzlich springt jemand unvorhergesehen um die Ecke oder läuft mit schwarzem Mantel und Krückstock durch den Außenbereich. Alle sind unglaublich gelassen und sogar neugierig, das freut mich riesig! Als Belohnung gibt es von mir ganz viel Aufmerksamkeit, sodass die Speckies derartige Überraschungen sofort mit etwas Positivem verknüpfen und als selbstverständlich abspeichern. Natürlich glänzen die Großen in ihren unbekümmerten Reaktionen mit wundervoll hilfreicher Vorbildfunktion. Ein Mal mehr bewährt sich, ein alltagssouveränes Rudel zu haben.

Ansonsten genieße ich das Treiben im Pfötchenparadies. Zumeist innen. Jahreszeittypisch lädt das Wetter die Speckmaden nicht unbedingt nach draußen ein, es ist einfach ziemlich kalt. Ein klarer Nachteil der Saison. Getobt mit den Großen wird deshalb momentan weniger, weil meine Mädels wissen, dass ich im Haus Ruhe haben möchte und sie sich daran auch halten. Gilt natürlich nicht für die Minis, die umso mehr untereinander raufen.
Zur Stärkung spendiert Dixi immer noch völlig selbstständig und freiwillig zwischendurch und nachts ein paar Runden Milch, ich serviere drei bis vier kleinere Mahlzeiten, die restliche Zeit wird selig gedöst und alle entwickeln sich prima!

Wundervollen Besuch haben die Speckies heute auch wieder empfangen. Wer hier sein zukünftiges Familienmitglied kennenlernt, muss natürlich auch sofort mitanpacken und wird einfach mitten rein ins Geschehen geschmissen. Ich versuche immer, es so anzupassen, dass die Kleinen vorher gut geschlafen haben, sodass die Interessenten nicht nur das Schlummern, sondern auch ein bisschen Party miterleben können. Vorher muss aber natürlich erstmal das Geschäft erledigt werden. Und da gilt, je mehr helfende Hände, umso besser!