41. Lebenstag

Okay, dann mal ein offizielles Hallo an den November. Ziemlich verspätet hielt er heute Einzug und brachte morgens zwar mit drei Grad nicht zwingend kältere Temperaturen als bisher, dafür mehr Grau, ein paar Tröpfchen von oben und irgendwie so generelles Pfützenwetter mit. Ein Glück stand vormittags sowieso etwas ganz anderes auf dem Programmplan.
Es ging zur Kennlern-Stippvisite zum Tierarzt. Jedem Einzelnen wurde Sonderluxusextraaufmerksamkeit zu teil, es wurde reichlich geknuddelt und spielerisch untersucht. Ich empfinde es als vorteilhaft, wenn die Kleinen diese ganz entspannte und ruhige Erfahrung machen dürfen. Praxen in vollem Betrieb können ja doch etwas beängstigend wirken und nicht immer ist die Behandlung ein tolles Erlebnis. Mit diesem ersten Spaßbesuch, in dem ausschließlich Positives passiert, viele Kekse verteilt werden und alle völlige Unaufgeregtheit signalisieren, versuche ich späterem Stress ein wenig vorzubeugen. Die blöden Erfahrungen kommen noch von ganz alleine.
Aber auch für mich ist es eine gute Gelegenheit, aufgekommene Fragen zu klären. Ich habe nicht die Erfahrungen, die einem zwanzig Jahre Zucht einbringen, entsprechend bin ich bei Dingen, die mir auffallen, nicht ganz so gelassen wie man es vermutlich sein könnte. Selbstverständlich gibt es liebe Züchterkollegen, die mir stets mit Tipps und ihrem angeeigneten Wissen beratend zur Seite stehen. Allerdings ist es doch etwas anderes, wenn man die Speckies anfassen, live erleben und selbst beurteilen kann statt auf meine Eindrücke zu bauen. So erscheinen mir die Pfoten oder genauer gesagt die Zehen des einen oder anderen noch sehr durchtrittig und nicht so gewölbt, wie ich mir das wünschen würde. Für mich persönlich war es deshalb gut, die Einschätzung vom Experten zu hören und meine Unsicherheit zu beruhigen. Ich kann nur mein Bestes geben und so viele Fragen wie möglich stellen, um mich zu verbessern und dazu zu lernen. So ganz nebenbei gab es für mich also die Bestätigung, dass sich alle bestens entwickeln, einen hervorragenden Gesamteindruck machen und das ganze Praxisteam begeistert haben. Ich bedanke ich mich ganz herzlich bei dem lieben und einfühlsamen Mädels am Weinberg für diese Möglichkeit und perfekte Erfahrung.
Das einzige, das ich Dussel natürlich vergessen hatte… war das Handy. Entsprechend muss Herr Braun auf dem Tisch symbolisch für alle Speckies herhalten.

Nachmittags ging es dann raus aufs Feld. Ein bisschen hoppeln, ein bisschen schnuppern und vor allem ganz viel Folgetrieb verstärken, denn… neun Hunde, ein Kleinkind, wer hätte es gedacht, Endgegner Auto. Ehrlich, die Minis waren offenbar sehr erpicht darauf, dem eine Unterbodenwäsche zu verpassen. Entsprechend wenige Fotos und vor allem aus dem geplanten Video ist nichts geworden, weil ich unerwartet einladend trällernd über die Wiese springen musste. Eine Sporteinheit, die so nicht beabsichtigt gewesen war, kein Wunder, dass ich mich nach einem Wurf irgendwie so ausgelaugt fühle, wenn ich für x Knallköpfe denken muss.
Ansonsten hatten wir wieder einen super schönen Kurzausflug. Wann immer wir keine oder wenig Besucher haben, nutzen wir die Zeit ganz intensiv für solche kurzen Abstecher in die Natur, denn schon ab morgen stehen wieder ganz viele Dates an.
Zum Abend gab es dann noch ein abschließendes Tageshighlight, wo die letzten überschüssigen Kraftreserven mobilisiert und losgeworden werden konnten. Zumindest wer wollte und es nicht verpennt hat (und darf ich einfach mal besonders stolz auf Herrn Rot sein, der anders als die ersten Wochen nun nicht mehr mit Zurückhaltung, sondern forsch auf Neues zugeht). In solchen Momenten fällt mir mein tolles “cleveres Management zur Vermeidung unerwünschten Verhaltens” echt schwer. Es ist einfach ZU goldig, wenn sie zur Abwechslung mal das zerkauen, was eh für die Tonne gedacht ist.
Ansonsten haben sie es momentan ein bisschen auf die Demontage des Pfötchenparadieses abgesehen. Überall werden die Hauer hineingerammt, hier langgeschrammt und da angenagt. Mit dem Standort vom Spielebogen erklären sich die jüngst selbsternannten Raumdesigner auch nicht mehr grundsätzlich einverstanden, Bälle und Tunnel werden selbstbewusst durch den gesamten Raum geboxt, Knisterkissen und Würfel von einem Ort zum anderen geschleppt, Matten umgeschubst, selbst das Mähdel purzelt gelegentlich aus der Wurfkiste und überhaupt hab ich ja mal so gar keine Ahnung von den neuerlich gewachsenen Ansprüchen der aufstrebenden Innenarchitekten. Ihre Versuche umzudekorieren sind von subjektiver Qualität, zumindest meinen persönlichen Geschmack treffen sie nicht immer, aber herrlich frech sind sie unterwegs und dabei so süß anzuschauen.

Aber ich habe den Wink natürlich verstanden und so zog ein bisschen was zum Knabbern ein, um das Kaubedürfnis zu befriedigen. Ich fand, es kam spontan richtig gut an und alle haben kapiert, wozu es gedacht war, auch wenn offensichtlich hier und da eine Rute oder ein Öhrchen dazwischen kam.
Im Karton waren weitere Sachen für die Welpenpakete eingetrudelt, so unter anderem die Decken, die ab jetzt die Ausdünstungen der Villa Welpe, Mama Dixi und den Brüdern aufsaugen und mit ins neue Zuhause ziehen werden, um die Eingewöhnung durch den vertrauten Geruch dann hoffentlich etwas sanfter zu gestalten.